Linux Handys und Smartphones im mobilen Bereich

Der Markt der Betriebssysteme für mobile Geräte scheint aktuell aufgeteilt. Neben iOS und Android gibt es noch den mobilen Ableger von Windows, danach gibt es kaum noch Alternative. Linux-basierende Systeme gibt es derzeit noch keine. Android nutzt zwar einen Linux Kernel, kann jedoch nicht direkt als Linux Ableger bezeichnet werden.

Die Wikipedia schreibt zu diesem Spannungsfeld:

Android beinhaltet einen Linux-Kernel, ist jedoch keine klassische Linux-Distribution wie man sie für Desktop und Server kennt. Teilweise wurden Grundeigenschaften, die man bei einem unixoiden System erwarten würde, stark verändert.

Anfang 2013 wurde angekündigt, dass sich in diesem Bereich eine Veränderung ergeben könnte, denn auch Linux drängt in Form von Ubuntu auf den mobilen Markt. Allerdings – und das ist die eher schlechte Nachricht – wird es wohl keine mobile Version der Distribution geben. Die Macher des Linux-Smartphones Ubuntu Edge setzte stattdessen auf eine duale Lösung. Auf dem Gerät sollen Android und Ubuntu nebeneinander laufen. Dabei deckt Android den mobilen Part ab und Ubuntu macht das Smartphone zu einem vollwertigen Desktop PC. Mittlerweile hat man sich aber zumindest vorerst von diesem Prinzip verabschiedet. Die entsprechende Finanzierung kam nicht zu Stande und daher wird vorerst nur eine etwas abgespeckte Version entwickelt, die keinen vollwertigen Desktop Ersatz bieten kann.

Die Leistungsdaten des Ubuntu Edge sind aber trotzdem durchaus attraktiv:

  • Betriebssystem: Ubuntu und Android
  • CPU: schnellstmöglicher Mehrkern-Prozessor
  • Arbeitsspeicher: 4 GB RAM
  • Speicher: 128 GB
  • Bildschirm: 4,5 Zoll, 1.280 x 720 Pixel HD-Sapphire-Crystal-Display
  • Kameras: 2-MP-Kamera auf der Vorderseite, 8-MP-Kamera auf der Rückseite
  • Verbindungen: Dual-LTE, Dualband 802.11n Wi-Fi, Bluetooth 4, NFC
  • weitere Ausstattung: GPS, Geschwindigkeitsmesser, Höhenmesser, Kompass, Barometer und weitere Sensoren, Stereolautsprecher mit HD-Audio, Zweifach-Mikrofon, Active Noise Cancellation, Akku mit Silizium-Anoden-Technologie
  • Maße: 64 x 9 x 124 Millimeter

Die Daten machen klar, dass es sich dabei nicht um ein High-End Modell handeln wird. Der Preis ist dafür allerdings sehr hoch. Bei der Vorstellung des Gerätes war er mit 830 Dollar (knapp 650 Euro) angekündigt. Das Linux Handy spielt damit in einer Liga mit Geräten wie dem iPhone, dem HTC One oder dem Samsung Galaxy S4. Damit dürfte es relativ selten frei verkauft werden, denn die meisten dieser Geräte werden in Verbindung mit einem Vertrag oder einer Allnet Flatrate verkauft. Derzeit bekommt man beispielsweise das iPhone 5c das in einer ähnlichen Preislage angesiedelt ist, für etwa 30 Euro monatlich mit Flat. Es ist daher zu erwarten, dass auch das Ubuntu Edge in Verbindung mit einer All Net Flat in einem ähnlichen preislichen Rahmen liegen wird.

Allerdings soll die Auslieferung erst Mitte 2014 starten. Fans müssen sich noch etwas gedulden und es ist auch nicht klar, wie die Leistungsdaten dann im Umfeld der Konkurrenz aussehen werden. Allerdings glänzt das Ubuntu Edge ohnehin weniger durch die Hardware sondern eher durch die Software und das Konzept.

Es ist sehr schade, dass die ursprüngliche Finanzierung nicht zu einem Erfolg gebracht werden konnte. Von den angestrebten 32 Millionen Euro konnten lediglich knapp 13 Millionen Euro aufgebracht werden. Das ist trotzdem bereits eine ordentliche Summe für ein Projekt, dass sich gegen die Größen auf den Markt behaupten will.

Die Entwicklung der Software ist dabei aber nicht betroffen. Die aktuellen Versionen von Ubuntu werden immer weiter auch für den mobilen Einsatz ausgelegt. Mit Ubuntu 13.10 wurde beispielsweise angefangen auch mobile Umgebungen zu unterstützen. Klein genug für den Einsatz auf Handys und Smartphones war das System ja schon immer. Früher oder später werden aber natürlich auch Handys benötigt werden, die damit arbeiten. Das dürfte die Herausforderung für die kommenden Jahre werden.

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Foto: steved_np3 / sxc.hu